Manche Musikstücke kennt fast jede und jeder – obwohl sie 200 oder 300 Jahre alt sind. Aber woher kommen diese Hits? Wer hat sie geschrieben, für wen, wo – und warum klingen sie so? Als Musikdetektivin oder Musikdetektiv untersuchst du vier Fälle. Du prüfst Beweisstücke, hörst genau hin, trennst Belege von Legenden und schreibst deinen Fallbericht.
Damit deine Ermittlungen nicht verloren gehen, legst du dir einen persönlichen Code an – zum Beispiel mia-6b. Mit demselben Code arbeitest du auf jedem iPad weiter. Merk ihn dir gut!
Fang mit der Detektivschule an. Danach kannst du die Fälle in beliebiger Reihenfolge lösen – ein gelöster Fall bekommt einen roten Stempel.
Die Einheit ist so gebaut, dass die Kinder allein damit arbeiten können – Musikkenntnisse sind für die Aufsicht nicht nötig.
Alle Fälle sind offen, alle Lösungen lassen sich einblenden. Die Codes zeigen, wer wie weit ist.
Liegt eine Datei mit dem angegebenen Namen im Ordner detektive/medien/ auf dem Server,
spielt die Seite sie direkt ab – ohne YouTube und ohne Werbung. Erlaubt sind .mp4, .m4v, .webm, .mp3 und .m4a.
Fehlt die Datei, bietet die Seite das YouTube-Video an.
Wie findet man heraus, was vor 300 Jahren wirklich passiert ist?
Händel, Vivaldi, Haydn und Beethoven können wir nicht mehr fragen. Was wir über sie wissen, stammt aus Quellen: aus Dingen, die aus ihrer Zeit übrig geblieben sind. Solche Quellen sind deine Beweisstücke.
Eine Legende ist eine Geschichte, die gern erzählt wird, für die es aber keine sicheren Beweise gibt – oder die den Quellen sogar widerspricht. Und manchmal bleibt ein Fall ungeklärt: Dann fehlen einfach die Beweise.
Die vier Komponisten lebten zu verschiedenen Zeiten. Die Musikgeschichte teilt diese Zeit in Epochen ein: Händel und Vivaldi gehören zum Barock, Haydn zur Klassik. Beethoven beginnt in der Klassik und öffnet am Ende seines Lebens die Tür zur Romantik.
Warum spielen in Händels „Wassermusik“ so viele Hörner und Trompeten – und wollte Händel sich mit ihr beim König entschuldigen?
Georg Friedrich Händel: Wassermusik, daraus der Tanz „Alla Hornpipe“. Hör dir das Stück an, bevor du ermittelst. Achte auf die Instrumente!
Am Mittwochabend fuhr der König auf dem Fluss nach Chelsea. Auf einem Boot spielten etwa 50 Instrumente aller Art die schönsten Sinfonien, die Mr. Händel eigens für diesen Anlass komponiert hatte. Sie gefielen Seiner Majestät so gut, dass er sie dreimal wiederholen ließ – auf der Hinfahrt und auf der Rückfahrt.
„The Daily Courant“, London, 19. Juli 1717 – gekürzt und übersetzt.
Es spielten Hörner, Trompeten, Querflöten, Blockflöten, Geigen und Bässe.
Friedrich Bonet, der Gesandte des Königs von Preußen in London, berichtete seinem König über die Bootsfahrt – sinngemäß.
Händel hatte den König verärgert, weil er einfach in London geblieben war. Mit der Wassermusik habe er sich heimlich beim König wieder beliebt gemacht – und der König habe ihm verziehen.
Aus der ersten Händel-Biografie von John Mainwaring, erschienen 1760 – ein Jahr nach Händels Tod und 43 Jahre nach der Bootsfahrt. Mainwaring war 1717 noch nicht geboren. (Inhalt zusammengefasst)
Die Abrechnungen des Hofes zeigen: Schon kurz nach seiner Krönung 1714 zahlte König Georg I. Händel regelmäßig Geld – also drei Jahre vor der Wassermusik.
Wie kommen Vögel, ein Gewitter und ein bellender Hund in Vivaldis „Frühling“ – und für wen schrieb er so schwere Geigenmusik?
Antonio Vivaldi: Der Frühling aus „Die vier Jahreszeiten“, 1. Satz. Hör zuerst einfach zu.
1725 erscheinen in Amsterdam zwölf Violinkonzerte von Vivaldi als Druck, Opus 8, mit dem Titel „Il cimento dell’armonia e dell’inventione“ – „Der Wettstreit zwischen Harmonie und Erfindung“. Die ersten vier Konzerte sind die vier Jahreszeiten. Gewidmet ist der Druck dem böhmischen Grafen Wenzel von Morzin.
Der Frühling ist gekommen, und fröhlich begrüßen ihn die Vögel mit ihrem Gesang. Die Quellen fließen murmelnd im sanften Wind. Dann bedecken schwarze Wolken den Himmel, Blitz und Donner kündigen das Gewitter an. Als es wieder still ist, beginnen die Vögel von Neuem ihr Lied.
Zu jedem Konzert ist ein Gedicht (ein Sonett) mitgedruckt. Buchstaben in den Noten zeigen, welche Zeile zu welcher Stelle gehört. Wer die Gedichte schrieb, ist nicht sicher – vermutlich Vivaldi selbst. (1. Satz, frei übersetzt)
Die Mädchen singen wie Engel und spielen Geige, Flöte, Orgel, Oboe, Cello und Fagott. Kein Instrument ist so groß, dass es ihnen Angst machen könnte.
Der französische Reisende Charles de Brosses in einem Brief über die Mädchenorchester Venedigs – sinngemäß.
Im langsamen 2. Satz steht über der Stimme der Bratsche: „Il cane che grida“ – „der Hund, der bellt“. Im Gedicht dazu schläft ein Hirte auf der Wiese, sein Hund wacht neben ihm.
Warum schlägt in Haydns Sinfonie plötzlich das ganze Orchester mit der Pauke zu – wollte er wirklich schlafende Zuhörer wecken?
Joseph Haydn: Sinfonie Nr. 94 „mit dem Paukenschlag“, 2. Satz (Andante). Im Video siehst du die Musik als bunte Grafik mitlaufen.
Am 23. März 1792 spielt das Orchester von Johann Peter Salomon in den Hanover Square Rooms in London zum ersten Mal Haydns neue Sinfonie – die Nummer 94. Die Zuhörer haben Eintrittskarten gekauft.
Nein – es war mir darum zu tun, das Publikum durch etwas Neues zu überraschen und auf eine glänzende Art aufzutreten, damit mir mein Schüler Pleyel nicht den Rang abläuft.
Haydns Antwort auf die Frage seines Freundes Georg August Griesinger, ob er mit dem Paukenschlag die Engländer habe aufwecken wollen. Griesinger hat Haydns Erzählungen in dessen letzten Lebensjahren aufgeschrieben – sinngemäß.
Im selben Winter leitet Ignaz Pleyel – Haydns früherer Schüler – in London eine andere Konzertreihe. Sie beginnt acht Tage vor Salomons Konzerten. Beide Reihen werben um dasselbe Publikum.
„In London schliefen die Damen bei langsamer Musik ein. Deshalb baute Haydn den Knall ein – um sie aufzuwecken.“
Beethovens berühmtestes Klavierstück ist einer „Elise“ gewidmet. Aber wer war das? Achtung: Dieser Fall ist bis heute nicht sicher gelöst.
Ludwig van Beethoven: Für Elise, ein Klavierstück in a-Moll.
Für Elise am 27 April zur Erinnerung von L. v. Bthvn
So stand es laut Ludwig Nohl auf dem handschriftlichen Notenblatt. Nohl fand das Blatt 1865 in München und druckte das Stück 1867 – 40 Jahre nach Beethovens Tod. Das Blatt gehörte damals einer Frau, die es von Therese Malfatti bekommen hatte.
Das Original-Notenblatt ist verschollen. Niemand kann heute noch nachsehen, ob dort wirklich „Elise“ stand – wir haben nur Nohls Abschrift. Beethovens Handschrift war übrigens schwer zu lesen.
Im Mai 1810 bittet Beethoven einen Freund in Bonn, ihm seinen Taufschein zu schicken – den brauchte man zum Heiraten. Er hoffte damals, Therese Malfatti heiraten zu können. Sie heiratete später einen anderen.
Forscherinnen und Forscher haben verschiedene Frauen im Verdacht:
junge Frau aus Wien, Beethoven gab ihr Klavierunterricht
Das Notenblatt stammte aus ihrem Besitz, und Beethoven wollte sie 1810 heiraten. Vermutung (seit 1923): Nohl habe „Therese“ falsch gelesen und „Elise“ daraus gemacht.
Sängerin, 1810 etwa 17 Jahre alt
Sie war mit Beethoven bekannt und wurde tatsächlich „Elise“ genannt. Der Forscher Klaus Martin Kopitz hält sie seit 2010 für die Gesuchte.
junge Sängerin aus Regensburg
Die Forscherin Rita Steblin schlug sie 2012 vor. Eine sichere Verbindung zu Beethoven konnte bisher niemand nachweisen.
Jede Detektivin, jeder Detektiv hat eine Pinnwand. Für jeden gelösten Fall zeigt ein roter oder farbiger Faden, wohin der Komponist gereist ist. Die Komponisten waren echte Europäer: Sie lebten, arbeiteten und reisten in vielen Ländern.
Jetzt ermittelst du selbst: Zuerst schreibst du eine Zeitungsmeldung, dann legst du eine Akte zu einem Hit deiner Wahl an.
Such dir einen weiteren Hit der klassischen Musik aus und finde heraus, woher er kommt. Ideen:
Tipps für die Recherche: Such nach „Werk + Entstehung“ auf Kinderseiten wie klexikon.zum.de oder kinderzeitmaschine.de oder in einem Lexikon. Notier immer, woher deine Information stammt – das ist dein Beweisstück.
Mit deinem Code liegen deine Antworten in der musikwerkzeug. Du kannst am nächsten iPad weiterarbeiten – einfach denselben Code wieder eingeben. Mindestens 4 Zeichen, nur Buchstaben, Zahlen und Bindestriche.